Kamakura

Als ich aufgestanden bin, stand ich unter leichtem Stress; um eine private Angelegenheit zu klären habe ich über eine Stunde gebraucht, das dazu geführt hat, dass wir den geplanten Zug nach Kamakura verpassten.
Ihr könnt raten wo wir den Tag angefangen haben, ich sage nichts mehr dazu. Nach diesem kraftvollen Ort sind wir zum Shinjuku-Bahnhof gefahren. Vorher ist es uns gelungen, in einem Bankomaten bei der Post etwas Bargeld zu holen. So ausgestattet fanden wir uns am Bahnhof sofort gut zurecht und fuhren in einem Lokalzug zuerst stehend, danach sitzend nach Kamakura. Es ist eine der alten Hauptstädte Japans. Die Stadt ist berühmt als so genannte Tempel- und Samuraistadt. Das erste Shogunat wurde in Kamakura gegründet.
Es gibt vier Zen-Tempel in Kamakura, die mit der Philosophie der Samurai in enger Verbindung stehen. Ein Samurai sollte seinen Geist genau so wie seine Waffe beherrschen, er sollte in der Lage sein, sich mit dem Schwert genau so wie mit seiner Schwertkunst zu vereinigen, so dass sein Geist nichts anderes enthält. Die meisten Samurai haben zusätzlich ein hartes Zen-Training mitgemacht, um die Achtsamkeit so zu verbessern, dass ihnen keine Änderung der Kampfumstände entkommt, und dass sie auf jede Veränderung intuitiv, das heißt optimal reagieren.
Als wir den Bahnhof verlassen haben, sagte ich Erwin, ich kann mir kaum vorstellen, dass Menschen in Kamakura ohne Starbucks auskommen können. Darauf antwortete Erwin, ich kann mir das schon vorstellen (man muss wissen, dass Kamakura eine kleine Provinzstadt mit eher einem Dorfcharakter ist, als eine große Stadt, so sah es auch am Bahnhof aus), dann erblickten wir unmittelbar hinter der nächsten rechten Ecke ein Starbucks. Daran vorbei ließ sich nicht gehen, ohne zuerst den Kraftstoff zu tanken, und dann sind wir zum großen Buddha gegangen. Auf unserem Weg zur großen Buddhastatue (Daibutsu) sind wir zuerst zum Hasedera-Tempel gegangen, weil er ganz zufällig direkt am Wegrand auf uns wartete, besucht zu werden. Im Tempel haben wir eine große Holzstatue von Buddha gesehen. Ich konnte mich durch die Konzentration daran erinnern, dass das Holz von Nara nach Kamakura geschwommen ist und es Leute aus Kamakura herausgefischt haben, weil sie gesehen haben, wie dieses Holz im Wasser glänzt. Sie stellten die Statue am Fuße eines Hügels auf und bauten darum herum einen Tempel. Dieser Tempel steht immer noch an der gleichen Stelle. Die Statue ist zur Zeit vergoldet und hat eine schöne Form. Nicht zu sagen, das wir zuerst für den Eintritt bezahlt haben und danach noch extra Tickets fürs Museum. Es war für uns interessant zu sehen, dass 33 Inkarnationen von Bodhisatva Avalokiteshvara (des zukünftigen Buddha) als Statuen dort auf einem Podest vor einer Wand ausgestellt sind. Avalokiteshvara war in seinem Leben sehr vielseitig, er hatte bei den Wiedergeburten alle Rollen eingenommen, von einem hungrigen Geist bis zu einem bösen Geist, ein Mädchen, eine alte Frau, bis zu einem Helden und einem Priester. Es ist empfehlenswert diese Ausstellung zu sehen. Nach dem Museum sind wir zu einem im Prospekt beschriebenen Weg geleitet worden und wir machten wie alle Anderen die Runde, mit einem herrlichen Blick auf den Pazifischen Ozean über die Bucht von Kamakura.
Überall gab es kleine Zen-Gärten, mit noch kleineren Teichen, in denen diesmal keine großen, sondern kleine Fische geschwommen sind. Von diesem Tempel sind wir zu Fuß zur großen Buddhastatue gegangen. Sie wiegt über 100 Tonnen und macht einen sehr mächtigen Eindruck. Neben der Statue haben wir uns pflichtbewusst fotografiert und stellen diese Photos hier aus. Nach der Statue mussten wir zuerst zu Fuß zum Bahnhof zurück, um von dort in ein Taxi einzusteigen, das uns zum Engakuji-Tempel fuhr. Es ist der wichtigste aktive Tempel in Kamakura, 2 x im Winter werden Meditationswochen im Tempel abgehalten und eine im Sommer. Außerdem werden Laien tägliche Meditationen von 6 – 7 Uhr angeboten. Als wir zum Tempel gekommen sind, haben wir ein enormes Kindergeschrei gehört und jemand hat etwas auf einem rapartigen Japanisch ständig gesprochen. Unmittelbar vor dem Tempel ist eine große Fläche die voller Menschen war. Hier spielten Kinder und Zuschauer jubelten ihnen zu. Von dort aus sind wir weiter nach oben gegangen, weil die Anlage terrassenartig verteilt ist. Wie viele Treppen wir gegangen sind haben ich nicht gezählt, erst zum Schluss habe ich angefangen zu zählen. Nachdem wir die Teile des Tempels angeschaut haben wo sich die Meditationshallen befinden, wurden wir mit Pfeilen zu einem Hügel geleitet, mit den Worten „Nationaler Schatz“ und das wollten wir sehen. Wer würde da nicht neugierig werden, auf eine solche Aussage? Es führten 133 Treppenstufen auf den Berg, ziemlich steile und unbequeme Treppen, die Stufen waren hoch. Zuerst dachten wir, dass der nationale Schatz ein klägliches Restaurant mit einer herrlichen Aussicht ist, auf den zweiten Blick entdeckten wir eine alte Glocke die in Japanisch beschriftet ist und einen großen ästhetischen Wert hat. Sie wurde in der Kamakura-Periode gegossen. Wir haben auch versucht, ein Gebäude zu finden, in dem angeblich Buddhas Zahn aufbewahrt wird, obwohl wir überall hinliefen, wo es erlaubt war zu gehen, konnten wir diesen „Zahntempel“ nicht finden. Etwas enttäuscht sind wir dann mit dem Lokal-Zug von Kita-Kamakura zurückgefahren, um von dort aus wieder etwas zum Mittagessen zu finden. Es ist nicht erwähnenswert, außer das es uns so beeindruckt hat, dass wir gleich danach zum Starbucks gegangen sind.
Danach zurück zur Shinjuku-Station in Tokyo gefahren.
Wir stellten dort fest, dass wir uns von gestern bis heute schon fast wie Einheimische orientieren. Wir richten uns nach Gebäuden und dem allgemeinen Eindruck, wobei wir die Himmelsrichtungen intuitiv spüren. Die Stimmung in der Großstadt ist anders als in irgendeiner anderen Stadt bei uns in Deutschland. Wir sind meistens mit den Autos unterwegs, hingegen Japaner bewegen sich am liebsten mit dem Zug oder zu Fuß und deshalb sind die Züge und die Straßen voll, auch am Samstag Abend, oder erst recht.
Die Stadt ist besonders schön wenn alles beleuchtet ist. Nicht vergessen zu erwähnen wollte ich, dass zu diesem Tag einen wesentlichen Teil das herrliche Wetter beigetragen hat.
Damit beenden wir den heutigen Bericht und machen im Anschluss den Plan für morgen.

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