Berühmte Personen des meditativen Weges

Dogen Zenji 1200 – 1253 (auch Dogen Kigen oder Eihei Dogen)

wurde nach der westlichen Zeitrechnung 1200 in Kyoto geboren. Mit 12 Jahren trat er in das Kloster Enryaku-ji ein. Nach drei Jahren hauptsächlicher theoretischer Unterweisung wollte er eine stärker praxisorientierte Schulung kennenlernen und trat daher in das Kloster Kennin-ji ein. Dort wurde Rinzai Zen unterrichtet, das sehr große Anstrengung unternimmt, um die Erleuchtung zu erlangen. Diese Schulung befriedigte ihn auch nicht und somit ging er 1223 nach China, um die ursprüngliche buddhistische Praxis zu studieren.

Nach langer Suche begegnete er dort dem Meister Tendo Nyojo, dieser lehrte Dogen die Einheit von Praxis und Erleuchtung. Nachdem Dogen tiefe Erleuchtung erfahren hatte und das Siegel der Bestätigung in der Soto-Zen Tradition bekommen hatte, ging er 1227 nach Japan zurück. Dort lebte er zehn Jahre in Kyoto, zuerst im Kloster Kennin-ji, dann im Kosho-ji.

Um seine Übertragungslinie vom Einfluss weltlicher Mächte, der Kaiserstadt, in der er lebte, fernzuhalten, zog er sich dann in eine Einsiedelei in den Bergen der Provinz Echizen (heute Fukui) zurück.

Aus seiner Hütte entwickelte sich im Laufe der Zeit ein großes Kloster, an dieser Stelle befindet sich heute das sehr bekannte Kloster Eihei-ji. Es ist bis heute, neben dem Soji-ji, das wichtigste Kloster des Soto-Zen. In den folgenden zehn Jahren widmete er sich der Verbreitung der Zazen Praxis und der Lehre des Dharma. Als er mit 52 Jahren erkrankte, übergab er die Leitung des entstehenden Klosters an seinen Schüler und Nachfolger Koun Ejo. Im Alter von 53 Jahren, kurz nachdem er nach Kyoto zurückgekehrt war, starb er dort.

Gemäß den Lehren der Soto-Schule betonte Dogen, dass Shikantaza die höchste und eigentliche Form des Zazen darstelle. Allerdings lehnte er die in der Rinzai-Schule betonte Schulung mithilfe von Koans keineswegs ab, was schon aus der Tatsache hervorgeht, dass er eine Sammlung von 300 Koans zusammenstellte, deren jedes er mit der Zen-Schulung anwendete.

Werke von Dogen Zenji sind unter anderem Fukan Zazengi und das Shobogeno Zuimonki. Sein Hauptwerk, das Shobogenzo („Die Schatzkammer des wahren Dharma-Auges“), gilt als eine der tiefgründigsten Schriften der Zen-Literatur und als das hervorragendste Werk der religiösen Literatur Japans bis heute. Im Kapitel Hotsu bodaishin („Erweckung des Bodhi-Geistes“) schreibt er: „Diejenigen, die den Buddha-Dharma nicht kennen und nicht an den Buddha-Dharma glauben, glauben nicht an das Prinzip der Augenblicklichkeit des Erscheinens und Vergehens aller Dinge. Wer an Tathagatas Schatzkammer des wahren Dharma-Auges und den wunderbaren Geist des Nirvana glaubt, glaubt auch an das Prinzip der Augenblicklichkeit des Erscheinens und Vergehens aller Dinge. Jetzt, wo wir den Lehren des Tathagata begegnen, fühlen wir zwar, dass wir klar verstehen, aber wir können lediglich eine Zeitperiode von einem tatksana oder länger wahrnehmen, und so vertrauen wir nur darauf, dass das Prinzip wahr ist. Wir sind nicht in der Lage, alle Dharmas zu kennen, die der Weltgelehrte gelehrt hat, und so können wir auch nicht die Länge eines ksana kennen. Deshalb sollten die Schüler niemals überheblich sein“.

Dogen Zenji gilt in Japan als eine der größten religiösen Persönlichkeiten und wird dort von allen buddhistischen Schulen wie ein Heiliger oder Bodhisattva verehrt. Missverständlich wird er leider oft als reiner Philosoph verstanden und gilt daher als der „tiefgründigste und eigenwilligste Denker“, den Japan hervorgebracht hat. Dabei wird übersehen, dass seine Schriften, auch wenn darin die tiefsten existentiellen Fragen des Menschen angesprochen werden, nicht etwa eine Existenzphilosophie darstellen. Was Dogen schrieb, entspringt nicht philosophischen Spekulation, ist nicht das Ergebnis von Denkprozessen, sondern Ausdruck einer unmittelbaren inneren Erfahrung der lebendigen Wahrheit des Zen.

„Tag und Nacht, was immer euch begegnet, ist euer Leben; daher sollt ihr euer Leben der Situation anpassen, der ihr im Augenblick begegnet. Verwendet eure Lebenskraft dazu, aus den Umständen, die auf euch zukommen, eine Einheit mit eurem Leben zu gestalten und die Dinge an ihren richtigen Platz zusetzen.“ Dogen Zenji.

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