Buchbesprechung – Das Universum in der Nussschale von Stephen Hawking

Das Universum in der Nussschale
von Stephen Hawking
Ausgaben (Information aus Wikipedia)
Die englische Originalausgabe erschien 2001 bei Bantam Books, die von Hainer Kober übersetzte deutsche Ausgabe im gleichen Jahr bei Hoffmann und Campe. Eine gekürzte Ausgabe erschien auch als Hörbuch. Im Jahre 2002 wurde eine erweiterte Neuauflage des Buches veröffentlicht. Seit 2003 liegt eine Taschenbuchausgabe vom Deutschen Taschenbuch Verlag vor. Weitere Übersetzungen sind in arabischer, dänischer, finnischer, französischer, hebräischer, italienischer und schwedischer Sprache verfügbar.
Stephen Hawking: Das Universum in der Nussschale. Hoffmann und Campe, 2001, ISBN 3-455-09345-0. (23 Wochen lang in den Jahren 2001 und 2002 auf dem Platz 1 der Spiegel-Bestsellerliste)
Stephen Hawking: Das Universum in der Nussschale. Deutscher Taschenbuch Verlag, 2004, ISBN 3-423-34089-4.

Stephen Hawking hat mit diesem Werk die Maßstäbe, die er mit „Eine kurze Geschichte der Zeit“ gesetzt hat, noch getoppt. Das Buch wendet sich an eine breite Zielgruppe, denn Physiker, nur vor allem Nicht-Physiker sind dazu eingeladen, das Universum in der Nussschale zu entdecken und die Wissenschaft ein Stück weit bei der Suche nach der „Weltformel“ zu begleiten. Das Werk ist bewusst allgemein gehalten und verzichtet auf komplizierte Problemstellungen und Formeln. Durch die baumartig aufgebaute Struktur des Buches läuft der Laie keine Gefahr, in einem Kapitel steckenzubleiben. Vielmehr ist es möglich, Kapitel zu überspringen, um später noch einmal zu ihnen zurückzublättern. In den ersten Abschnitten führt Hawking den Leser an die Einstein’sche Relativitätstheorie heran, hält sich dabei allerdings kurz und prägnant und somit leicht verständlich. Die darauffolgenden Sektionen behandeln Themen wie Zeitreisen, Schwarze Löcher, Branwelten, Dimensionen, die Entwicklung des Lebens in der Zukunft – elektronisch als auch biologisch – u.v.m. Natürlich geht Hawking dabei auch darauf ein, was es mit dem Universum in der Nussschale auf sich hat. Dabei auftretende Fachbegriffe und Termini werden ausreichend erörtert. Komplettiert wird das Buch mit einer Vielzahl geschilderten Sachverhalten zu machen. Ein recht großzügig angelegtes Glossar rundet die Sache ab. Ich selbst – kein Insider auf diesem Gebiet – habe das Buch innerhalb von zwei Tagen durchgearbeitet und schätze es als einen informativen und kurzweiligen Einblick in aktuelle Probleme der Theoretischen Physik. Nur vor allem in Fragen, die das Verständnis unseres Universums und uns selbst betreffen.

Das Universum in der Nussschale ist kein Nachfolgewerk, kein zweiter Teil, und es orientiert sich nicht einmal am logischen Aufbau des erfolgreichen Erstlingswerks. Hawking beginnt in den ersten beiden Kapiteln mit den Grundlagen, und in seiner Forschungsdisziplin heißt das: Relativitätstheorie und Quantentheorie. Die folgenden vier Kapitel bauen nicht logisch aufeinander auf, sondern behandeln jeweils eigene Aspekte: Wie haben wir uns unser Universum in Größe, Ausdehnung und Geschichte vorzustellen? (Danach werden Sie auch die gern zitierte Quintessenz verstehen, dass die Geschichte unseres Universums einer kleinen, abgeflachten runden Nuss entspricht). Sind Zeitreisen möglich? Wird unser Leben in der Zukunft so aussehen wie in einer Star Trek Folge? Und das (zugegeben sehr anspruchsvolle) Schlusskapitel: Was ist eine „Branwelt“?

Bei aller Fundiertheit und Glaubwürdigkeit schafft es Hawking, einen eigenen Stil zu bewahren. Und einen ganz eigenen Witz. Da plaudert er von seinem Poker-Spiel mit Newton, Einstein und Data an Bord der Enterprise (belegt mit einem Foto!). Oder er erlaubt sich als abschließenden Satz zum Thema „Sind Zeitreisen physikalisch möglich?“ einen Hinweis auf gängige Verschwörungstheorien: „Womöglich fragen Sie sich, ob dieses Kapitel nicht zum großen staatlichen Vertuschungsmanöver in Sachen Zeitreisen gehört. Vielleicht haben Sie recht.“ Neben dem sprachlichen Stil lebt das Buch von der opulenten Illustrierung, die von einfachen Diagrammen bis zur gewagten freien Interpretation des Textes reicht: Mir persönlich helfen kleine grüne Männchen am Seitenrand nicht beim Verständnis, aber lustig sind sie doch. Zur soliden Aufmachung gehört ein Anhang mit einem umfangreichen Glossar (von „Absoluter Nullpunkt“ über „Spins“ und „Strings“ bis zur „Zeitschleife“), Empfehlungen zum Weiterlesen und einem Register. Was das nun alles mit einer Nussschale zu tun hat? Vielleicht ist das auch ein Hinweis darauf, dass sich das Verständnis dieses Buches nicht ganz ohne ein wenig Arbeit erschließt. Nur, es lohnt sich. Benutzen Sie Ihren Geist als Nussknacker!
Heike Reher

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